Jesaja 54, 7
Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen,
aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.
Verlassen
Von Gott verlassen, wenn auch nur einen kleinen Augenblick. Wie ist das denn gemeint? Was will uns Gott denn damit sagen?
Sicher kennen wir Zeiten, in denen uns Gott weit entfernt zu sein scheint? Das können z.B. Zeiten der Krankheit sein oder auch "Wartezeiten", in denen Gott keine Antwort auf unsere Gebete gibt. Manchmal sind wir vielleicht sauer auf unseren Vater im Himmel, weil er uns so hängen lässt und unsere Bitten und Flehen ihm scheinbar völlig egal sind. Oft verstehen wir sein Handeln überhaupt nicht. Aber warum; wozu soll das denn gut sein? Oft durften wir aber auch seine Treue und Hilfe erfahren, wie er uns in den dunkelsten Stunden, als wir keine eigene Kraft mehr hatten, getragen hat.
Unser Vers gilt dem Volk Israel im AT und spricht von einem kleinen Augenblick, den Gott sich wegen ihres Ungehorsams zurückgezogen hat. Dieser Augenblick Gottes dauerte in der babylonischen Gefangenschaft immerhin 70 Jahre. Die Wartezeit für das verheißene Land dauerte 40 Wüstenjahre lang. Immer und immer wieder hatte Gott das Volk durch seine Boten zur Umkehr von falschen Wegen ru-fen wollen. Lange und geduldig ertrug er ihre Untreue.
Doch irgendwann gab es nur noch eine erzieherische Maßnahme. Gottes Volk musste die Folgen seines Ungehorsams am eigenen Leib spüren. Aber selbst in den Gerichten Gottes, die über das Volk Israel ergingen, zeigte sich die Gnade Gottes in vielfältiger Weise.
Veranlassen
Gott zieht seinen Segen ab, damit sie sehen, wo sie ohne ihn hinkommen und zu ihm umkehren. Seine Abwesenheit veranlasst sie zur Umkehr und bewirkt neue Sehnsucht nach Gemeinschaft mit ihm.
Zieht sich Gott denn auch von uns zurück, wenn wir im Ungehorsam leben? Hat sich da durch Jesu etwas verändert?
Grundsätzlich hat Jesus am Kreuz unsere "Gottverlassenheit" auf sich genommen "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Er befiehlt seinen Geist, auch im Gefühl der größten Trennung von Gott, die es jemals gab, in die Hände seines Vaters und überwindet sie damit. Nach der Auferstehung kann Jesus sagen, dass er alle Tage bis zum Ende der Welt bei seiner Gemeinde sein wird.
Erlassen
Die Erlösung durch Jesus, seine Gnade und seine Vergebung gelten uns, auch wenn wir sündigen. Unsere Schuld ist uns erlassen. In gnadenvoller Gelassenheit können wir wieder aufstehen und müssen nicht in den Folgen der Sünde bleiben, sondern können neu anfangen. Er hat die guten Taten schon vorbereitet, die wir in diesem Jahr umsetzen sollen. Er ist mit uns.
Gelassen
In Jesus ist der zweite Teil unserer Jahreslosung erfüllt.
"…aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln."
Wir leben im Erlassjahr, sind nicht verlassen, seine Liebe veranlasst uns zur Umkehr, seine Liebe erlässt uns unsere Schuld, weil Jesus sie getragen hat. Deshalb sind wir auch in seiner Gnade getragen und können gelassen mit ihm durchs neue Leben gehen.
Im folgenden Vers lesen wir es noch konkreter:
Jesaja 54, 8
Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen,
aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.
Als Gemeinde wollen wir uns immer wieder von unserem Herrn in seiner großen Barmherzigkeit versammeln lassen, um sein Wort zu hören und zu befolgen. Wir wollen unseren Herrn nicht loslassen, komme was wolle.
In ausgelassener Freude und Liebe wollen wir diese lebendige Hoffnung rauslassen.
Denn unsere Vision als Gemeinde ist:
Wir wollen die Liebe Gottes in unserer Gemeinschaft leben
und Menschen zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus bewegen.
Pastor Thomas Happel